Eine Reise auf den Spuren der Deutschen in Usbekistan.
(September 2008)
Deutsche Jugendliche in Usbekistan und russlanddeutsche Jugendliche in Deutschland haben vieles gemeinsam: Sie sind Teil einer Diaspora in zwei sehr unterschiedlichen Ländern. Doch ihre Situationen unterscheiden sich nicht so stark, wie vielleicht im ersten Moment erscheint. Sie haben dieselbe Herkunft, dieselbe Geschichte, und eine ungewisse Zukunft. In beiden Ländern sind sie ein Teil einer Minderheit mit einer langen und nicht immer einfachen Geschichte, die sehr eng mit den weltpolitischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und dem darauf folgenden Kalten Krieg zusammenhängt. Warum sind sie Deutsche und warum waren ihre Eltern, Großeltern in Russland, Kasachstan, Usbekistan?
Im Rahmen eines Projektes, gefördert von der Stiftung «Erinnerung, Verantwortung, Zukunft» (Europeans for Peace), wollen Jugendliche aus Zentralasien diesen Fragen nachgehen. In Form eines Jugendaustausches zwischen der russlanddeutschen Jugendorganisation DJR und der Jugendorganisation der Deutschen in Usbekistan «Jugendstern» wird Jugendlichen aus Russland und Zentralasien in Deutschland und Usbekistan die Möglichkeit gegeben, sich mit der eigenen Geschichte, insbesondere der Geschichte der Deutschen in Usbekistan im gesamtgeschichtlichen Zusammenhang, auseinanderzusetzen.
Dabei werden Fragen nach der Herkunft und Identität junger Russlanddeutscher gestellt. Aus welcher Region in Deutschland kamen ihre Großeltern? In welche Region wurden sie deportiert? Was passierte mit ihren Familien im zweiten Weltkrieg? Was passierte danach? Dabei werden Interviews mit Zeitzeugen, (Großeltern, Verwandten, Nachbarn) gemacht und diese dokumentiert. Dabei sollen nicht nur «russlanddeutsche» Zeitzeugen, sondern auch usbekische in Usbekistan bzw. deutsche in Deutschland in die Diskussion einbezogen werden, um verschiedene Perspektiven der Geschichte zu erfassen. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte wird durch Besichtigungen von Denkmälern, die Bezug auf diese Zeit nehmen, ergänzt werden.
Sie können im Rahmen einer einwöchigen Usbekistan Reise ein Teil dieses Projektes sein. Auf der einen Seite haben Sie die Möglichkeit, mit den Jugendlichen zusammen die Spuren der Deutschen in Usbekistan zu ergründen und aktiv an der Jugendarbeit teilzunehmen (zum Beispiel bei Diskussionsveranstaltungen und bei Denkmalbesichtigungen). Auf der anderen Seite kann die Reise dazu genutzt werden, das exotische Land Usbekistan in all seiner Vielfältigkeit kennen zu lernen. Die sehr gut erhaltene Architektur noch aus der Zeit des großen Tamerlan verleiht dem modernen Land eine märchenhafte Atmosphäre und verrät viel aus einer Zeit, als diese Gegend nicht nur bedeutendes Handelszentrum, sondern auch Mittelpunkt von Lehre und Kultur war. Der Geist der Seidenstraße, der berühmten Handelsstraße zwischen China und dem Abendland, ist hier immer noch deutlich spürbar. Die Zugehörigkeit Usbekistans zum sozialistischen Reich Sowjetunion hinterließ ebenfalls deutliche Spuren, die eine hochinteressante und für das westliche Auge sicher außergewöhnliche Spannung nicht nur in der Architektur, sondern auch im kulturellen und gesellschaftlichen Leben des Landes sichtbar werden lässt. In diesem Zusammenhang wäre eine solche Reise sicherlich eine große Bereicherung für alle Interessierte an Geschichte und ein spannender Einblick in eine fremde Welt.
